Ganz schön alt? Ganz schön jung!


Bad Urach / GEA 04.07.2019

Dreißig Jahre sind kein Alter. Für eine privat geführte Reha-Klinik, die schon durch das ungemütlich wilde Wasser mehrerer Gesundheitsreformen geschippert ist, aber durchaus eine Hausnummer. Das ist ein Grund, warum die Fachkliniken Hohenurach II und das Kurmittelhaus, die vor 30 Jahren gebaut wurden, am Dienstag, 9.?Juli, für ihre Mitarbeiter ein kleines, feines »Jubiläums-feschdle« ausrichten. Insgesamt 550 Menschen arbeiten in den Fachkliniken I und II und im Kurmittelhaus in der Immanuel-Kant-Straße. Damit ist die Einrichtung der größte Arbeitgeber der Stadt.

Uli Wüstner, der Geschäftsführer der Fachkliniken Hohenurach, blickt in alte Prospekte aus den Anfangszeiten und grinst. »Da haben wir noch mit einem ›Ambiente von Ruhe‹ geworben«, sagt der 55-Jährige, »diese Zeiten sind lange vorbei.« Bewegung und Aktivität ist das Zauberwort, angefangen in der Akutklinik, fortgesetzt und verstärkt in der Rehaklinik. »Patienten, die damals noch stationär bei uns waren, kommen heute ambulant oder teilambulant«, sagt Wüstner. Teilambulant bedeutet, dass Patienten nach Unfällen oder Operationen zuhause wohnen, aber zur Behandlung in die Fachkliniken kommen.

Laufend neu erfinden

»Wir haben als Kureinrichtung im Bäderbereich angefangen«, blickt Wüstner zurück, »im Laufe der Jahre kam dann immer mehr der Gedanke auf, das Haus auf kompliziertere, schwerwiegendere Patienten auszurichten.« Inzwischen bietet das Haus eine breite Palette an, die von der Orthopädie über Unfallchirurgie und Sportmedizin bis zur Neurologie, Neuropsychologie, Inneren Medizin bis zur Geriatrie (seit 1993) reicht.

Das Kurmittelhaus wurde am 10.?Juli 1989 nach einjähriger Bauzeit und Kosten von 15 Millionen Mark eröffnet. Bauherr waren neben der Klinik Hohenurach selbst der Landkreis Reutlingen und die Stadt Bad Urach mit je 26 Prozent. Das Land Baden-Württemberg hatte den Neubau mit 3,5 Millionen Mark bezuschusst. Im Fokus stand damals die Entwicklung und Stabilisierung des Kurorts, ergänzt um sportmedizinische Aspekte.

Gut drei Monate später, am 20.?Oktober 1989, wurde die Fachklinik Hohen-urach II eröffnet. Das Investitionsvolumen: 26 Millionen Euro. Zielsetzung hier war das Heranreifen zu einem sportmedizinischen Zentrum, das sowohl Freizeit- als auch Leistungssportler behandeln kann. Im Blick gleichermaßen die orthopädische wie die sportmedizinische Rehabilitation. Fridhardt Pascher, der damalige Uracher Bürgermeister, sagte damals, die stürmische Aufbauphase der Kommune zum größten Kur- und Fremdenverkehrsort der Schwäbischen Alb sei mit dem Kurmittelhaus und der Fachklinik II vorläufig abgeschlossen.

Die Leitung der Fachklinik Hohenurach II wurde mit zwei früheren Spitzensportlern besetzt: Medizinischer Leiter wurde der Weltrekordschwimmer Klaus Steinbach, an der Spitze der Verwaltung saß der 400-Meter-Europarekordler Karl Honz. In den 166 Betten der Klinik II übernachten pro Jahr rund 2?900 Patienten, was mehr als 57?000 Übernachtungen gibt. Das Kurmittelhaus beschreibt der Leiter der Physikalischen Therapie im Haus II, Michael Tieck, als ein Angebot, in das auch Otto-Normal-Patienten mit einem Rezept vom Hausarzt kommen können – wie in eine klassische Physiotherapiepraxis. »Wir sind sehr gefragt«, sagt Tieck, »manche kommen seit zig Jahren zu uns, eine Patientin seit 1982.«

Nah an der Ermstalklinik

Eine Besonderheit der Reha-Klinik ist die enge Verzahnung mit den Kreiskliniken Reutlingen im Allgemeinen und mit der Uracher Ermstalklinik im Speziellen. Beide Seiten heben die Vorteile hervor, die das Know-how auf der einen Seite und die räumliche Nähe auf der anderen bieten. Johannes Theil, Chefarzt Innere Medizin/Geriatrie, ist an zwei Nachmittagen pro Woche in der Ermstalklinik, um sich schon im Akutkrankenhaus mit seinen Kollegen auszutauschen.

»Wir müssen uns immer wieder neu erfinden«, sagt Geschäftsführer Uli Wüstner, der seit 1991 im Hause ist. Was erstens daran liegt, dass die Medizin laufend Fortschritte macht, zweitens muss sich eine Reha-Klinik wie die Fachkliniken Hohenurach stetig an Gesundheitsreformen anpassen. Die fetten (Kur-)Jahre sind schon lange vorbei. »Die Gesundheitsreform 1996 unter Seehofer hat uns besonders hart getroffen«, blickt Wüstner zurück. Das Uracher Haus – seit 1991 eins von acht Häusern der Klinikgruppe Enzensberg – begegnet den neuen Herausforderungen, »indem wir immer am Puls der Zeit sind«, so Wüstner. Bei allen Innovationen: »Wir haben eine sehr geringe Fluktuation bei unseren Mitarbeitern, viele arbeiten schon eine kleine Ewigkeit bei uns.«

Mit denen will die Geschäftsführung am 9. Juli zwischen 11 und 14 Uhr ein »Jubiläumsfeschdle« feiern. Eingeladen sind nicht nur die Mitarbeiter vom Haus II und vom Kurmittelhaus, sondern alle 550. Als kleines Dankeschön gibt’s eine Stunde Arbeitszeit geschenkt. »Die Patienten werden davon nichts merken«, betont Uli Wüstner, »ihre Therapiepläne werden so gebaut, dass das läuft.« (GEA)

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