"Haben die Lage ganz gut im Griff"


Bad Urach / GEA 07.11.2020

Uli Wüstner hat widerstreitende Gefühle. "Im Moment ist die Lage entspannt", sagt der Geschäftsführer der Fachkliniken Hohenurach auf die aktuelle Corona-Situation angesprochen und fällt dieses Zwischenurteil für seine Kliniken. "Wir haben die Lage ganz gut im Griff." Angespannt ist er dennoch: weil die Infektionszahlen überall immer weiter steigen. Das kann über kurz oder lang auch Auswirkungen auf die Reha-Kliniken im Land haben: Sie könnten dann wieder Betten für Covid-19-Patienten freimachen.

Schon einmal, während der ersten Viruswelle im Frühjahr, hat die Landesregierung die Reha-Kliniken um Hilfe gebeten. Die Fachkliniken Hohenurach richteten eine Sonderstation ein, in der sie 40 Betten für leicht an Covid-19 Erkrankte freihielten, betreut von zwei Ärzten und Pflegepersonal, insgesamt "sieben bis acht Leute". Doch die Patienten kamen nur vereinzelt, etwa 10 bis 15 Fälle hat Wüstner insgesamt verzeichnet. "Die Covid-Station war nur mäßig erfolgreich – wie auch andere in ganz Baden-Württemberg". Die Folge: Nach sechs Wochen wurde sie wieder geschlossen. "Unsere Zulassung als Sonderkrankenhaus ist zum 30. September ausgelaufen." In der aktuellen zweiten Coronawelle hat weder das Land die Reha-Kliniken erneut angerufen noch haben es die Akutkrankenhäuser mit ihren Intensivbetten. Wüstner zollt diesen wie auch den Reha-Kliniken und der Bevölkerung ein Kompliment: "Alle haben nach dem ersten Lockdown dazugelernt. Trotz der hohen Infektionszahlen haben viele Ruhe und Zuversicht."

"Zusammenhalten und rechtzeitig sprechen, auch über die Finanzierung der Covid-Stationen"

Dazugelernt haben auch die Fachkliniken Hohenurach, die nach je einem Coronafall bei Ärzten und Patienten Mitte März vorsorglich geräumt wurden. Ein strenges Hygienekonzept ist in Kraft. "Alle Patienten und alle Mitarbeiter tragen ständig eine Maske." Und zwar eine medizinische, das FFP-1-Modell, das Virenschutz auch für den Träger verspricht. "Die Alltagsmaske haben wir verboten." Zusätzlich greift an den Fachkliniken ein Testkonzept, bei dem sich Mitarbeiter mit Anzeichen wie ominösem Halskratzen oder leichtem Fieber erst auf einem Anrufbeantworter melden, dann durch einen Sondereingang ins Haus kommen und auf Corona getestet werden.

Unter den Patienten gab es einen positiven Fall. Angesteckt hat die betroffene Frau in der Klinik dank Masken, Schutzkleidung und eingehaltener Sicherheitsabstände aber niemanden. Bei der zeitweise knapp gewordenen Schutzkleidung »hat sich die Lage entspannt«. Strenge Sicherheitsvorkehrungen gibt es auch bei den Reha-Patienten. Alle werden nach dem Eintreffen zuerst medizinisch auf Symptome untersucht. "Die zuweisenden Kliniken sind aufgefordert, Patienten vor ihrer Verlegung zu uns zu testen", erläutert der Fachklinik-Geschäftsführer. Nicht nur Wüstner hofft auf Schnelltests, die deutlich früher als in den bisherigen 24 Stunden das erhoffte "Negativ" bringen. "Sobald die Schnelltests in ausreichender Zahl im Haus sind, werden Patienten ohne Test von uns getestet."

Ein Besuchsverbot gibt es für Angehörige von Patienten. Patienten wiederum können den Kurpark zwar betreten, doch ist der direkte Weg von den Fachkliniken dorthin und zurück gesperrt, "weil wir festgestellt haben, dass Besucher dort wohl gegen die Anmeldeverpflichtungen verstoßen haben".

Was passiert, wenn die Pandemie die Akutkliniken mit ihren Intensivbetten überfordert und die Reha-Kliniken wieder zur Versorgung von Covid-19-Patienten angefragt werden? Uli Wüstner antwortet differenziert und auch für die anderen Reha-Kliniken im Land: "Wenn’s schwierig wird, steht das Land zusammen", ist für ihn einerseits klar, doch auch: "Es wichtig, dass sich alle Beteiligten rechtzeitig besprechen und auch über die Finanzierung sprechen." Zumal die Corona-Zuspitzung anders als bei der ersten Welle nun kein Neuland mehr ist.

Noch steht der erneute Ernstfall aber aus. "Die Akutkrankenhäuser können arbeiten, operieren, also gibt es auch eine Nachfrage in der Reha." Die beiden Fachkliniken sind zu 85 bis 90 Prozent ausgelastet. Mehr Patienten kommen derzeit nicht unter, denn wegen der Pandemie hat Wüstners Team einen erheblichen Mehraufwand für die bereits in den Häusern befindlichen Patienten. Vor allem Pflegepersonal ist anhaltend gesucht, und das nicht nur in Bad Urach. (GEA)

Wir verwenden Cookies, um Inhalte gegebenenfalls zu personalisieren und optional die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren.
Sie akzeptieren unsere technisch notwendigen Cookies, wenn Sie fortfahren diese Webseite zu nutzen.
  • img
  • img
  • img
icon