Immer wieder neu erfunden


Bad Urach / SWP 09.07.2019

Ein VW-Golf ist nach wie vor ein VW-Golf. Wurden die Autos allerdings vor 30 Jahren noch recht eckig gebaut, haben die aktuellen Modelle mit der damaligen Generation (nicht nur wegen der Erscheinung) nicht mehr viel gemein. Anlass für derlei Gedankenspiele bietet Uli Wüstner, Geschäftsführer der Fachkliniken Hohenurach, ein runder Geburtstag, den er heute zusammen mit seinen Mitarbeitern im Kurpark feiert.

Aktiv statt passiv

Vor 30 Jahren eröffneten die Fachklinik Hohenurach II und das Kurmittelhaus. Und ebenso wie das motorisierte Fahrzeug aus Wolfsburg, hat sich auch der Klinikbetrieb gewandelt. „Wir müssen uns immer wieder neu erfinden“, blickt Wüstner auf drei Jahrzehnte zurück, in denen sich nicht nur medizinisch Konzepte, sondern immer wieder auch Reformen des Gesundheitswesens niedergeschlagen haben. Kamen die Kurgäste 1989 beispielsweise nach Bad Urach, um sich ganz dem Thermalwasser und der Ruhe hinzugeben, stehen heute verschiedene Angebote zur aktiven Erholung im Vordergrund. Und die werden von den Patienten vorwiegend nicht mehr als Teil einer wochenlangen Kur genutzt, sondern als Teil eines individuellen Therapieplans, der sie immer wieder ins Haus führt.

„Wir haben immer weniger belegte Betten, dafür arbeiten wir qualitativ immer anspruchsvoller“, umreist Wüstner, seit 1991 Chef des Hauses, die langfristige Entwicklung. Aus dem Kurmittelhaus ist längst ein ambulantes Therapiezentrum geworden, in dem auch Menschen mit gewöhnlichen Hausarztrezepten entweder ambulant oder teilambulant behandelt werden, wie der Leiter der Physikalischen Therapie, Michael Tieck, unterstreicht. Auch haben sich die Leistungen der Klinik immer weiter aufgefächert und spezialisiert. Ob in den Fachabteilungen Orthopädie, Unfallchirurgie, Sportmedizin, Neurologie oder aber Geriatrie: Sukzessive hat man sich auf die aufwendige Behandlung von komplizierten Fällen konzentriert und arbeitet dabei auch eng mit der nahe gelegenen Ermstalklinik zusammen. Johannes Theil, Chefarzt für Innere Medizin und Geriatrie sucht regelmäßig das Gespräch mit seinen Kollegen. Mit der Eröffnung des Kurmittelhauses und der Fachklinik Hohenurach II im Jahr 1989, sei die „stürmische Aufbauphase der Kommune zum größten Kur- und Fremdenverkehrsort der schwäbische Alb vorläufig abgeschlossen“, hieß es vom damaligen Bürgermeister Friedhelm Pascher. Die Stadt und der Landkreis beteiligten sich zu je 26 Prozent am Investitionsvolumen von 15 Million Mark für das Kurmittelhaus, die Klinik II schlug mit 26 Millionen Mark zu Buche. Heute verfügen die Klinik II insgesamt über 166 Betten, 57 000 Übernachtungen im Jahr zählte man zuletzt. Die Zahl der Patienten pro Jahr beträgt rund 2900. Darunter sind auch viele Stammgäste, wie Wüstner weiß. Eine Patientin, die seit ihrem 16. Lebensjahr im Rollstuhl sitzt, kommt seit 1982 nach Bad Urach. Doch nicht nur die Patienten hielten dem Haus über die Jahre die Treue. Auch viele der aktuell 550 Mitarbeiter sind schon lange mit dabei und haben das Haus schon in seiner wechselvollen Geschichte begleitet. An sie gerichtet ist denn auch das Dankeschön, das die Klinikleitung in Form des heutigen Festes vorbereitet hat. Zwischen 11 und 14 Uhr heißt es dann im Kurpark: Mensch, bist du aber groß geworden.

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